bild eines drachen

Chinesische Medizin.

[Home] [Index] [part1] [part3]

Chinesische Sexuallehren in der Medizin,

Song Zeit: Medizin der Gelehrten

von:
Christine Bodenschatz- Li

Der Daoismus handelt von den unpersönlichen Kräften der Natur. Wie schon Lao Zi, der vermutliche Autor des Dao De Jing geschrieben hatte:

"Der Weise behandelt die zehntausend Lebewesen wie Strohhunde."

Der Konfuzianismus spricht von den Menschen und den Beziehungen zwischen ihnen. Er war und ist die am weitesten entwickelte und älteste Wissenschaft vom Menschen als sozialem Wesen.

Im zwölften Jahrhundert erlebte der Konfuzianismus eine Renaissance. In der Form des Neokonfuzianismus sprachen nun auch die Konfuzianer von den Kräften des Universums. Sie entdeckten die höchste Einheit - das Tai Ji, die Leere, das Qi und die Wandlungen von Yin und Yang. Trotz dieses Interesses an Kosmologie blieb der Mensch auch im Neokonfuzianismus der Mittelpunkt.

Anstelle von Hofmedizinern und daoistischen Heiligen finden wir in der Medizin seit dieser Zeit vor allem Gelehrte die für ihresgleichen schrieben. Für konfuzianische Gelehrte und ihre Familien. Die Ärzte seit der Song Zeit waren Neokonfuzianer.

Für den berühmtesten neokonfuzianischen Philosophen der Song Zeit (Zhu Xi) standen menschliche Begierden im Widerspruch zum himmlischem Prinzip. Der Weise überwand sämtliche Begierden und verharrte in Stille. Nur so wurde das unruhige Menschen-Herz zum Dao-Herz und verhindert, dass das Feuer der Begierde aufflackerte. Der buddhistische Einfluss wird hier deutlich - auch wenn die Neokonfuzianer einen solchen weit von sich wiesen.

Durch Meditation, unermüdliches Studium und Überwindung aller Begierden gelangte der Mensch in Einklang mit dem himmlischen Prinzip, zu seinem Wesen. Bewegung war Manifestation und brachte Verwirrung. Übersetzt in die Medizin heißt das

:

"Das Wesen des Wassers ist die Stille. Das Wesen des Feuers ist die Bewegung. Bewegung ist leicht. Stille ist schwer. Die Heiligen haben einst nicht leichtfertig davon geschrieben. Die Konfuzianer lehren folgendes: Begradige das Herz, bewahre das Herz, nähre das Herz. All dies geschah, um zu verhindern, dass dieses Feuer in seiner Bewegung außer Kontrolle geriet.

Die Ärzte lehren: Erfreue dich an Indifferenz, bleib leer und ohne Begierden. So wird Essenz und Geist im Inneren bewahrt, auch dadurch wird vermieden, dass dieses Feuer in seiner Bewegung außer Kontrolle gerät.

Nun sitzt das Minister Feuer im Yin Bereich der Leber und der Niere. Ist das Herrscher Feuer ohne unkontrollierte Bewegung, kann das Minister Feuer nur auf dessen Befehle achten und in seiner Position verharren."

Diese Worte stammen von dem Urheber der Yin Vermehrungsschule dem Philosophen und Arzt Zhu Zhenheng (1281- 1358), genannt Zhu Danxi (nicht zu verwechseln mit dem Philosophen Zhu Xi!).

Der berühmte Lehrsatz des Zhu Danxi war, dass das Yang normalerweise Überfluss hat und das Yin nicht ausreicht:

Nach Zhu Danxi sitzt das Minister Feuer im Yin, so wie der Yang Strich inmitten zweier Yin Striche im Trigramm Kan-Wasser. Dieses Feuer bleibt solange unter Kontrolle, wie das Herrscher Feuer, das Herz, in Stille verharrt.

Sobald das Herrscher Feuer unruhig wird, lodert das Minister Feuer ihm entgegen und vernichtet das es umgebende Wasser. Die Essenz verkocht, die Organe vertrocknen. Der Mensch stirbt.

Die besondere Gefahr, die von den Frauen ausging, lag nicht im Yin selbst, sondern in der Begierde, die durch Frauen aufgestachelt wurde und die, durch Aufstachelung des Ministerfeuers zum Feuer führte. Feuer, Bewegung, Ruhelosigkeit, Emotionen und Begierden waren Zeichen, dass das Menschen-Herz unkontrolliert entflammt war. Es war eine Entfernung vom Daoherz, vom himmlischen Prinzip.

Aus der Warnung vor Essenzverlust der Daoisten war hier die Warnung vor dem ungezügelten Feuer der Emotionalität geworden. Die Gefahr war nicht minder groß.

Auch wenn das Yin der Frau bei der Vereinigung von Yin und Yang eingesammelt werden konnte, war es nach daoistischer Auffassung bei weitem nicht soviel wert, wie die überaus kostbare Essenz des Mannes. Sun Simiao und seine Zeitgenossen hatten daraus gefolgert, dass der Mann das Yin von vielen und jungen Frauen, am besten 1200, sammeln musste, ohne selbst das kleinste bißchen Essenz herzugeben.

Zhu Danxi fand dies unpraktikabel und gefährlich:

"Falls einer nicht das Herz eines Heiligen und die Knochen eines Unsterblichen besitzt, kann dies nicht leicht vollbracht werden. Die Frau folgt dem Gesetz des Wassers. Der Mann folgt dem Gesetz des Feuers. Wasser kann Feuer kontrollieren. Eines findet seine Freude im Geben, das andere im Nehmen. Dies ist das Prinzip der Natur. Falls die Zimmerkunst zum Auffüllen (der Essenz) benutzt wird, werden viele Männer getötet. "

Da Zhu Danxi befürchtete, dass die meisten seiner Leser sich nicht zu der völligen Abstinenz entschließen konnten, die er empfahl, schrieb er lange und komplizierte Aufzählungen von Situationen, Konstellationen, Witterungsverhältnissen und ähnlichen Bedingungen, die eine sexuelle Vereinigung völlig ausschlossen. Die altersabhängige Frequenz der Essenz- Entleerungen, die Zhu Danxi dem Mann eben noch erlaubte, blieb weit unter denen, die das schlichte Mädchen empfahl.

Dem Philosophen Zhu Xi war es ursprünglich nicht um sexuelle Askese gegangen, sondern um Kontrolle über das unruhige und leicht zu verblendende Menschen-Herz. Nur durch Ruhe wurde die Wasseroberfläche des Geistes zum vollkommenen Spiegel des himmlischen Prinzips.    Zum Dao Herz.

Schon zu Zhu Xis Zeiten wurde die Lehre von den zwei Herzen kritisiert. Zhu Xis philosophischer Widersacher Lu Xiangshan schrieb:

"Es gibt nur ein einziges Herz. Wie sollte der Mensch ein zweites Herz besitzen!" (Kenji, S. 119)

In der Ming-Zeit (1368- 1644) wurde das Herz als Zentrum der Gefühle und des Menschseins zum Mittelpunkt einer neuen neokonfuzianischen Schule. Spätestens seit der darauffolgenden Qing Zeit lässt sich auch in der Medizin von einer "Schule des Herzens" sprechen. Wie die mingzeitliche Revolution sich in den Vorstellungen von Sexualität niederschlug,

Christine Bodenschatz-Li
 Mittelweg 24
 20148 Hamburg
 Telefax: 040 - 46091066
bli@uke.uni-hamburg.de

  

site made by: honc.

Valid HTML 4.01!