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Chinesische Medizin.

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Chinesische Sexuallehren in der Medizin:

Frühzeit bis Tangzeit: Daoismus und Zinnoberlehren.

von:
Christine Bodenschatz- Li

Wer sich mit chinesischer Medizin über das Erlernen von einigen Akupunkturpunkten hinaus beschäftigt, wird irgendwann mit einer häufig genannten und bedrohlichen Krankheitsursache konfrontiert: dem sexuellen Exzess.

In der modernen westlichen Medizin hat die Sexualität, außer als Ursache sexuell übertragener Krankheiten, kaum eine Bedeutung. Dies war noch bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein völlig anders! Daher tendieren die meisten Therapeuten, die mit chinesischer Medizin arbeiten, dazu, die Krankheitsursache "sexuellen Exzess" als Ausdruck chinesischer Prüderie abzutun.

Auf der anderen Seite haben traditionelle chinesische Sexualpraktiken, darunter das gezielte Vermeiden der Ejakulation Eingang in die orientalistisch-esoterische Literatur des Westens gefunden. Für chinesische Ärzte ist die Vorstellung, dass sexuelle Exzesse krankmachen, bis heute nicht fremd. Parallel dazu existieren Vorstellungen von der Schädlichkeit unterdrückter Sexualität, die nicht nur auf die neuzeitliche Verbreitung westlicher psychoanalytische Literatur zurückgehen, sondern ebenfalls in der Tradition wurzeln. Chinesische Vorstellungen von Sexualität, ihrer Schädlichkeit oder Notwendigkeit und der Art, wie sie zu sein hatte, waren immer genauso vielfältig wie im Westen auch. Aber anders. Es folgt eine kurze Zusammenfassungen der unterschiedlichen Meinungen zur Sexualität, die von chinesischen Ärzten über die Jahrtausende geäußert wurden:

1. Frühe Zeit bis Tang Zeit:

Daoismus und "Zinnoberlehren": Frauen sind als Wasser dem Yang des Mannes sehr gefährlich. Doch wer es versteht, die Yin Essenz möglichst vieler Frauen zu "pflücken", wird unsterblich. (Literatur/ Autoren: Su Nü Jing, Ge Hong, Tao Hongjing, Sun Simiao)

2. Song Zeit und Mongolenzeit:

Der gelehrte Neokonfuzianismus: Studiere und enthalte dich aller Gelüste und Begierden. Frauen bedrohen das gelehrte Dasein. (Literatur/ Autoren: Zhu Danxi)

3. Ming Zeit

Die "Herzschule" des Neokonfuzianismus: Die (liebevolle) Beziehung zwischen Mann und Frau ist Grundlage der Familie, die Vereinigung von Yin und Yang gehört dazu und schadet, richtig praktiziert, nicht. (Literatur/ Autoren: Yue Fujia, Zhao Xianke, Zhang Jiebin)

1. Frühzeit bis Tang Zeit: Daoismus und Zinnoberlehren

Der Gelbe Kaiser fragte das schlichte Mädchen: "Mein Qi ist geschwächt und unharmonisch. Im Herzen bin ich nicht froh. Ich fürchte stets, mein Leben sei in Gefahr. Wie soll ich mich diesbezüglich verhalten?"

Das schlichte Mädchen antwortete: "All die, die geschwächt und reduziert sind, sind durch den Weg der Vereinigung von Yin und Yang geschädigt worden. Die Frau besiegt den Mann, geradeso wie Wasser das Feuer besiegt. " (Beginn des Su Nü Jing, zitiert nach Yi Xin Fang)

Die mahnenden Worte die hier dem "Einfachen Mädchen", vermutlich einer vorgeschichtlichen Fruchtbarkeitsgöttin, in den Mund gelegt werden, leiten eine bis heute nicht abgebrochene Tradition von Diskussionen über die nützlichen und schädlichen Auswirkungen der Sexualität ein.

Die meisten medizinischen oder daoistischen Klassiker lehren die Männer, die Sexualität der Frauen zu kontrollieren und sie sich selbst zunutze zu machen. Wichtig bei dieser Technik ist, dass der Mann seine Essenz nicht verströmt, sondern zurückfließen lässt ins Meer des Markes. Dieser letzte Punkt wird mit Hilfe von Techniken erreicht, die Teil der lebensverlängernden Techniken des Qi Gong sind.

Als Meister solcher Techniken galt Meister Rong Cheng, ein Lehrer des Gelben Kaisers, der 1600 Jahre später immer noch sehr lebendig in den Chroniken auftaucht. Offensichtlich hat er die Techniken gut beherrscht.
Seit Meister Rong Cheng wurde die Liebeskunst auch als "Rong Chengs Weg des Yin" bezeichnet.

Lehren für Frauen wurden selten schriftlich überliefert. Dennoch gab es auch solche. Ein Beweis ist das Yu Fang Mi Jue

"Wer sich mit einem Mann vereinen will, muß sein Herz beruhigen und seinen Sinn festigen.

... (Beschreibung der Technik)
Falls sie den Weg der Ernährung des Yin Qi kennt, wird sie dafür sorgen, daß die beiden Qi sich harmonisch vereinigen. So wandeln sie sich und es wird ein Sohn. Falls es kein Kind wird, so wird es zu Yin Säften, es fließt in die hundert Adern. Wenn das Yin durch das Yang genährt wird, verschwinden die hundert Krankheiten. Der Teint wird frisch und strahlend, die Muskeln fest. Sie wird an Jahren zunehmen, ohne zu altern und immer wie ein junges Mädchen aussehen Wer diesen Weg sorgsam beachtet und sich oft mit Männern vereinigt, kann neun Tage ohne Essen leben ohne Hunger zu empfinden. Es gibt Kranke, die sich mit Geistern vereinen, und die können schon ohne Essen auskommen. Um so mehr gilt das für die Vereinigung mit Menschen." (Yi Xin Fang)

Die älteste Fassung dieses Textes ist vielleicht von Ge Hong (281-341), Daoist und Alchimist, genannt "Bao Pu Zi- Meister, der die Einfachheit umarmt". In der hier zitierten, viel neueren Ausgabe des Textes folgt eine Warnung an die Männer:

"Der Meister Chong He (Tang Zeit) spricht: Die, die das Yang nähren, dürfen nicht zulassen, daß Frauen sich Kenntnisse dieser Kunst erschleichen. Andernfalls hat nicht nur das Yang keinen Nutzen, sondern es wird geschädigt und krank. Dies ist ein Fall, von dem man sagen kann: "Sind scharfe Waffen in den Händen der falschen Person, rüstet man sich zum Kampf ohne einen zuverlässigen Plan".(a.a.O.)

Zur Han Zeit, das heißt während der Jahrhunderte um die Jahrtausendwende war ganz China in einem Yin Yang Fieber Durch die Vereinigung von Yin und Yang sollte nicht nur das Leben verlängert werden und ewige Jugend erreicht werden. Es wurden Krankheiten behandelt und das Kriegsglück verbessert. Das ganze Schicksal sollte durch entsprechende Techniken grundlegend verändert werden.

Einfach war das nicht. Sun Simiao (581-682, der "göttliche Arzt") schrieb:
"Der Gelbe Kaiser besaß 1200 Palastfrauen und wurde zum Unsterblichen. Doch der einfache Mann vernichtet mit einer einzigen Frau seine Lebenskraft. Zwischen Wissen und Nichtwissen ist es nicht weit. Wer den Weg kennt, kann nur bedauern, daß seine Palastfrauen so wenige sind." (Qian Jin Yao Fang, Fang Zhong Bu Yi)

Tao Hongjing (456-536, nördliche und südliche Dynastien, der mit zehn Jahren das Shen Xian Zhuan von Ge Hong studierte und der ebenfalls ein berühmter Daoist und Arzt war, der in seinem Werk alle zu seiner Zeit vorhandenen Schriften sammelte) lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass Höchstleistungen erbracht werden mussten:

"Will einer sich der Palastfrauen bedienen, obwohl der Weg seines Yang schwach ist, muß er erst durch Rütteln und Bewegen dafür sorgen, daß es kräftig aufsteigt. Erst dann kann er sich langsam, langsam nähern. Dann lasse er das Yin Qi[ der Frau] ankommen. Wenn das Yin Qi ausgestoßen wird, wird er im selben Moment von selbst stark. Dann soll er ihn kräftig benutzen. Er soll sicher sein, daß [ alles Yin Qi] langsam ausfließt

Gerät die Essenz in Bewegung ist es soweit. Er lasse die Essenz durch langsames Atmen zur Ruhe kommen. Er reiße die Augen auf und lege sich auf den Rücken. Er strecke seinen Körper, und dann kann er sich der nächsten Palastfrau bedienen. Wer, sobald die Begierde sich regt, immer die Frau wechselt, kann sein Leben verlängern.

Bleibt es bei einer Palastfrau, so ist das nur wenig Yin Qi und der Nutzen ist auch gering. Außerdem folgt das Yang dem Gesetz des Feuers; das Yin folgt dem Gesetz des Wassers. Wasser kann Feuer kontrollieren. Das Yin löscht das Yang. Ist das lange so, wird das Yin Qi das Yang aussaugen und das Yang wird geschädigt. Was man bekommt, ist nicht Auffüllung sondern Verlust.

Doch kann man sich zwanzig Palastfrauen bedienen, ohne sich zu ergießen, wird man dadurch auch im Alter noch schön aussehen. Falls man sich 93 Palastfrauen bedient, ohne sich zu ergießen, wird man zehntausend Jahre alt." (Yang Xing Yan Ming Lu, zitiert nach Liu Dalin, S. 363)

Trotz dieser Schwierigkeiten versuchte, wer immer in der Lage war, die entsprechende Zahl an Konkubinen zu haben, sein Glück in der Zimmerkunst.

Die, die nicht in der Lage waren, versuchten nicht selten auf andere Weise einen Vorteil aus dieser Begeisterung zu ziehen, zum Beispiel als Wanderprediger und Sektengründer Der Meister Ge Hong, der durchaus der Meinung war, dass zu tonisierenden Medikamenten und Diättechniken auch Qi Gong und zu Qi Gong unbedingt auch die Zimmerkunst hinzugenommen werden muss, hatte solche Auswüchse bereits folgendermaßen kommentiert:

Man hört, dass einer, der den Weg der Kammerangelegenheiten völlig beherrscht, allein dadurch zum Unsterblichen werden kann. Dabei könne außerdem Unheil abgewendet und Übel gelöst werden, Unglück in Glück verwandelt, im Palast gewohnt und eine hohe Position erreicht und im Handel ein vielfacher Profit erzielt werden. Kann man das glauben? Bao Bu Zi spricht: Dies sind alles die verirrten Worte aus schamanistischen Sprüchen und wilder Hexerei, die von naseweisen Leuten übertrieben wurden, bis der Sinn für die Realität verloren ging. Vielleicht ist auch durch böse Betrüger eine leere Hoffnung erzeugt worden, um die gewöhnlichen Leute zu betrügen. Geheime Zeichen wurden versteckt, um Beförderung zu erlangen. Viele Schüler wurden versammelt, um Profit zu machen.

Doch die Kunst von Yin und Yang kann, im besten Fall kleine Gebrechen heilen. Im zweitbesten Fall kann sie verhindern, dass [die Essenz] leer und verbraucht wird. Sonst nichts." (Bao Pu Zi Nei Bian- Wei Zhi Bian)

Christine Bodenschatz-Li
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